Erster Info-Tag für Grenzgänger in Feldkirch
Vier Länder - ein Arbeitsmarkt: Das ist die Vision der Grenzpartnerschaft "Eures Bodensee". Gestern fand der erste Informationstag für Grenzgänger aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein statt.
VON NIKI EDER
"Jobs ohne Grenzen" - für 35'000 Menschen in der Region ist dieses Motto bereits Wirklichkeit. Mit anderen Worten: 1,8 Prozent aller Beschäftigten aus dem Bodenseeraum sind Grenzgänger. Liechtenstein ist dabei ein beliebtes Ziel. Täglich überqueren rund 7'000 Grenzgänger aus Vorarlberg und an die 5'500 aus der Schweiz die Landesgrenzen, um in Liechtenstein einer Arbeit nachzugehen. Damit hat das kleine Land der Schweiz den Rang abgelaufen. Von Vorarlberg ins St. Galler Rheintal pendeln täglich 6'800 Personen. Von Liechtenstein in die Schweiz rund 1'100 Personen. Dem steht eine Zahl von lediglich 123 Schweizern und Liechtensteinern gegenüber, die in Vorarlberg einer Arbeit nachgehen.
Beachtliche Zahlen, die das grosse Besucherinteresse am ersten Informationstag für Grenzgänger in der Arbeiterkammer Feldkirch erklären. Initiant: Eures Bodensee - eine Grenzpartnerschaft, die sich für die Förderung eines gemeinsamen Arbeitsmarktes einsetzt.
Informationsbedürfnis vorhanden
Der Info-Tag bot die Möglichkeit, sich von Experten aus zwölf Organisationen und Ämtern in Österreich, Liechtenstein und der Schweiz kostenlos beraten zu lassen. "Sie erhalten hier die Möglichkeit, aus erster Hand über die Themen Arbeit, Soziales, Steuern, Gesundheit und Pensionen informiert zu werden", erklärte Norbert Loacker, Präsident des Interregionalen Gewerkschaftsrates Bodensee und Landesvorsitzender des ÖGB Vorarlberg, anlässlich der gestrigen Pressekonferenz. "Eures Bodensee hat damit einen wichtigen Eckpfeiler gesetzt".
"Über 100 Beratungstermine konnten wir bereits im Vorfeld vereinbaren. Ein klarer Beweis für das grosse Informationsbedürfnis der Grenzgänger", freut sich Sigi Langenbahn, Präsident des Liechtensteinischen Arbeitnehmerverbandes. Hinzu kamen zahlreiche unangemeldete Besucher. Die stärkste Nachfrage ging dabei von den Vorarlbergern aus, die in Liechtenstein oder der Schweiz arbeiten. Laut Sigi Langenbahn sei dies nicht verwunderlich, da die Schweizer Grenzgänger in Liechtenstein aufgrund der ähnlichen Gesetzgebung der Länder mit weniger Problemen zu kämpfen hätten.
"Der Schwerpunkt bei den Beratungsterminen liegt dabei eindeutig bei den steuerlichen Fragen", präzisiert der Präsident des Liechtensteinischen Arbeitnehmerverbandes, "Des Weiteren sind Informationen von dem Arbeitsverwaltungen und zur Rente in Liechtenstein gefragt."
Die Anfragen stellten sowohl einzelne Beschäftige wie auch Betriebe mit einem Interesse an gut informierten Mitarbeitern.
Liechtenstein und die Schweiz bevorzugte Arbeitsorte
"Die Mobilität der Vorarlberger Bevölkerung ist unverändert hoch", sagt Bernhard Bereuter, Leiter des Service für Unternehmen beim AMS Vorarlberg. Die Konzentration von Pendlern aus Vorarlberg nach Liechtenstein und in die Schweiz kann einerseits auf die Beschäftigungs- und Wirtschaftsstrukturen zurückgeführt werden. Hauptgründe sind aber immer noch die höheren Einkommen, die diese Arbeitsorte attraktiv machen. Das Primäreinkommen der privaten Haushalte in Liechtenstein und in der Schweiz ist pro Kopf deutlich höher als im deutschen Teil der Bodensee-Region oder in Vorarlberg.
In Zukunft wird durch die stufenweise Einführung der Personenfreizügigkeit in der Schweiz noch eine Zunahme der Dynamik im Bodenseeraum bezüglich Arbeitsmarkt erwartet.
Für einen gemeinsamen Arbeitsmarkt
Die mittlerweile dreijährige Grenzpartnerschaft Eures Bodensee ist zusammengesetzt aus 21 Organisationen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. In dieser Zeit hat sie eine Vielfalt von Projekten lanciert, mit dem Ziel, einen gemeinsamen Arbeitsmarkt Bodensee zu fördern. "Wir wollen in erster Linie Transparenz schaffen. Transparenz bezüglich Stellenangebot, die Arbeits- und Lebensbedingungen und Transparenz bezüglich des Abbaus von Mobilitätshindernissen", betont Johannes Rutz, Leiter des Amts für Arbeit in St. Gallen, und Präsident der Eures Grenzpartnerschaft Bodensee. "Das Ziel ist ein gemeinsamer Arbeitsmarkt Bodensee."
Im Mittelpunkt steht dabei die Beratung durch speziell geschulte Fachleute. "Es existiert ein grosser Informationshunger bezüglich des Arbeitsmarktes in den vier Ländern", so Johannes Rutz. Als Beweis dürfen die rund 20'000 Kontakte angesehen werden, die die Berater jährlich verzeichnen. Viele Informationen werden auch durch das Portal www.jobs-ohne-grenzen.org abgedeckt, das monatlich von cirka 15'000 Usern genutzt wird.
"Insbesondere die 200-seitige Broschüre ‹Grenzgänger› schlug gewaltig ein," sagt Norbert Loacker. Sie behandelt in elf Kapiteln die wichtigsten Themen aus den drei grossen Sachbereichen Arbeit, Soziales und Steuern. In naher Zukunft soll eine ähnliche Broschüre auch für den Arbeitgeber erscheinen.
"Mehr Mobilität bedeutet mehr grenzüberschreitende Chancen;" fasst Norbert Loacker zusammen, "mein Wunsch für die Zukunft ist, dass wir weiterhin über Jobs ohne Grenzen diskutieren und hoffentlich nie über Grenzen ohne Jobs debattieren müssen."